Meisterhäuser: Moderner Komfort
Entwurf Walter Gropius / Bauzeit 1925-26/ Auftraggeber Stadt Dessau
Kühn Malvezzi, Berlin
Während in Törten das „Wohnen für das Existenzminimum“ umgesetzt wurde, hatten die Meisterhäuser in der Ebertallee eine andere Agenda: die aus Variationen eines Grundtyps entstandene Siedlung aus drei Doppelhäusern und einem Einzelhaus entspricht in Größe und Raumprogramm eher bürgerlich-mittelständischen Wohnbedürfnissen. Hinzu kam, dass hier exemplarisch die Errungenschaften der Technik für die rationelle Organisation des Haushaltes vorgeführt werden sollten. Und auch die Lage zwischen zwei Monumenten des Dessauer- Wörlitzer Gartenreiches war programmatisch gewählt. Deren Großzügigkeit in Ausstattung und Lage war nicht unumstritten, sie galten als unsozial und provozierten unter den jüngeren Bauhausangehörigen Gegenentwürfe. Schon in den dreißiger Jahren wurden die Meisterhäuser zu Wohnhäusern umgenutzt, Fenster verkleinert, Grundrisse verändert. Während das Gropiushaus sowie eine Doppelhaushälfte 1945 zerstört wurden, beherbergten die übriggebliebenen Bauten Familien sowie eine öffentliche Poliklinik. Erst nach 1990 wurden die Meisterhäuser saniert und neuen Nutzungen zugeführt. An keinem anderen Bauhausbau in der Stadt wurde der Streit um das Bauhauserbe so heftig ausgetragen, wie am nicht vorhandenen "Meisterhaus Gropius".
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